Wetterphänomen Calima: Wenn der Wüstensand die Kanaren besucht
Eines der eindrucksvollsten meteorologischen Erlebnisse im Archipel ist das Aufziehen der Calima – ein Naturphänomen, bei dem Wüstensand aus der Sahara durch Winde in Richtung der Kanarischen Inseln geweht wird. Dieses Ereignis reduziert die Sichtweite drastisch und taucht den Himmel in einen sehr charakteristischen ockerfarbenen Ton, der die Landschaft in ein fast surreal wirkendes Licht hüllt. Wie sich die Calima bildet und warum die Ostinseln zuerst betroffen sind Der Ursprung dieses Phänomens liegt in massiven, warmen und trockenen Luftmassen, die mit feinen Staub- und Sandpartikeln aus der weiten Sahara beladen sind. Angetrieben von starken ost- oder südöstlichen Höhenwinden bewegen sich diese gewaltigen Staubwolken über den Atlantischen Ozean. Aufgrund ihrer geographischen Lage und der geringeren Entfernung zum afrikanischen Kontinent treffen diese Stürme fast immer zuerst auf die östlichen Inseln Lanzarote und Fuerteventura, bevor sie im weiteren Verlauf auch Gran Canaria, Teneriffa und die westlicheren Inseln erreichen. Grundsätzlich werden meteorologisch zwei Hauptsituationen unterschieden: Trockene Calima: Dies ist die mit Abstand häufigste und typischste Form. Sie zeichnet sich durch eine dichte Staublage aus, die von einem drastischen und plötzlichen Abfall der relativen Luftfeuchtigkeit begleitet wird, wodurch ein extrem trockener, staubiger und heißer Zustand entsteht. Feuchte Calima: Sie tritt auf, wenn sich die schwebenden Staubpartikel mit feuchter Meeresluft, Meeresnebel oder tiefen Wolken vermischen. Dies führt oft zu einer drückenden Schwüle und kann in manchen Fällen sogar zu dem bekannten leichten Schlammregen führen, der Autos und Terrassen mit einer feinen Lehmschicht überzieht. Auswirkungen auf den Alltag und umfassende Vorsichtsmaßnahmen Die hohe Konzentration schwebender Partikel (PM10) beeinträchtigt das tägliche Leben direkt und erfordert konkrete Schutzmaßnahmen, insbesondere für empfindliche Personengruppen: Gesundheit und Atemwege: Die stark mit feinem Wüstenglas und Staub belastete Luft kann die Schleimhäute und Atemwege massiv reizen. Es wird dringend empfohlen, anstrengenden Sport oder körperliche Anstrengung im Freien zu vermeiden, sowie Türen und Fenster während der Phasen höchster Dichte fest geschlossen zu halten. Sichtverhältnisse: Bei schweren Episoden kann die Sichtweite auf wenige Kilometer oder sogar Meter sinken. Dies führt auf den Inseln regelmäßig dazu, dass Flüge auf den Flughäfen vorübergehend gestrichen, umgeleitet oder ausgesetzt werden müssen. Auch im Straßenverkehr ist auf den Straßen größte Vorsicht und eine angepasste Fahrweise geboten. Schutz von Häusern und Fahrzeugen: Die feinen Staubpartikel dringen selbst durch kleinste Ritzen und setzen sich auf allen Außen- und Innenflächen ab. Fahrzeuge sollten bei einer dicken Schicht aus trockenem Schlamm oder Sand nicht sofort mit harten Bürsten oder einem Hochdruckreiniger bearbeitet werden, da die feinen Sandkörner wie Schmirgelpapier wirken und den Lack zerkratzen können; hier empfiehlt es sich, das Ende des Unwetters abzuwarten. Anpassung an das kanarische Klima und den Rhythmus der Inseln Wer auf den Kanarischen Inseln lebt, dorthin auswandert oder ein neues Leben beginnt, muss dieses faszinierende, aber im Alltag durchaus anspruchsvolle Phänomen kennen und lernen, damit umzugehen. Auch wenn die Calima in ihren intensivsten Phasen eine spürbare Belastung für Mensch und Technik darstellt, gehört sie untrennbar zur klimatischen, historischen und geografischen Identität des Archipels und verbindet das Insellgebiet auf einzigartige Weise mit dem afrikanischen Kontinent.
Wetterphänomen Calima: Wenn der Wüstensand die Kanaren besucht Beitrag lesen »







